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Mehrarbeitsvergütung richtig abrechnen

Mehrarbeitsvergütung richtig abrechnen

Das Finanzgericht Münster hat vor kurzem entschieden, dass ein ermäßigter Lohnsteuersatz angewendet werden kann, wenn Mehrarbeitsvergütungen für mehrere Jahre ausbezahlt werden. Auch für die Sozialversicherungsbeiträge gibt es Vereinfachungsregelungen.

Mehrarbeit bezeichnet die Arbeit, die über die allgemeine vereinbarte Arbeitszeitgrenze hinausgeht. Leistet ein Arbeitnehmer zum Beispiel zehn Mehrarbeitsstunden (Überstunden) im Juli eines Jahres, erfolgt die steuer- und sozialversicherungsrechtliche Abrechnung der Mehrarbeits- bzw. Überstundenvergütung grundsätzlich auch in diesem Monat. Es gibt jedoch Vereinfachungsregelungen.

Mehrarbeit: Vereinfachungsregelung für ständig zeitversetzte Zahlung

Häufig kann der Arbeitgeber die geleisteten Überstunden nicht in dem Erarbeitungsmonat abrechnen. Dies gilt insbesondere, wenn die Entgeltabrechnung bereits im Laufe oder am Ende des Kalendermonats erfolgt. In diesen Fällen werden die Mehrarbeitsstunden erst im Folgemonat oder im übernächsten Monat abgerechnet. Grundsätzlich ist dann die bereits erfolgte Entgeltabrechnung für den Erarbeitungsmonat zu korrigieren.

Werden Mehrarbeitsvergütungen regelmäßig mit dem laufenden Entgelt des nächsten oder übernächsten Monats abgerechnet, kann der Arbeitgeber eine Vereinfachungsregelung anwenden. Anstelle der Berichtigung der Entgeltabrechnung des Erarbeitungsmonats erfolgt die Verbeitragung im Auszahlungsmonat.

Diese Vorgehensweise ist einmalig mit der Einzugsstelle abzustimmen. Auch die Versteuerung erfolgt dann im Auszahlungsmonat.

Anwendung bei Änderung der Beitragssätze oder der BBG

Die zeitversetzte Berücksichtigung der Mehrarbeitsvergütungen bei der Entgeltabrechnung erfolgt dann auch in den Monaten, in denen sich gegenüber dem Erzielungsmonat Beitragssätze oder Beitragsbemessungsgrenzen geändert haben.

Vorgehensweise bei Beitragsfreiheit im Auszahlungsmonat

Fällt in den Entgeltabrechnungszeitraum, in dem die Mehrarbeitsvergütungen abgerechnet werden, eine teilweise beitragsfreie Zeit, wird dennoch die Vereinfachungsregelung angewandt. Besteht aber in dem gesamten Entgeltabrechnungszeitraum der Auszahlung keine Beitragspflicht, kann die Mehrarbeitsvergütung nicht beitragsfrei bleiben. Dann sind die Mehrarbeitsvergütungen dem Arbeitsentgelt des voraufgegangenen Abrechnungszeitraumes bzw. des Erarbeitungsmonats hinzuzurechnen.

Beispiel: Der Arbeitgeber rechnet die Arbeitsentgelte seiner Mitarbeiter am 15. des laufenden Monats ab. Die erzielten Mehrarbeitsvergütungen werden jeweils mit der Entgeltabrechnung im Folgemonat ausgezahlt. Arbeitnehmer A und B leisten jeweils im September und Oktober Mehrarbeitsstunden. Bei der Beitragsberechnung werden Vereinfachungsregelungen – soweit möglich – angewendet. Arbeitnehmer A ist aufgrund von Krankengeldbezug vom 27. bis 30. November beitragsfrei. Bei Arbeitnehmer B besteht im ganzen Monat November wegen Krankengeldbezug Beitragsfreiheit.

Ergebnis: Bei beiden Arbeitnehmer werden die Mehrarbeitsvergütungen von September jeweils im Oktober abgerechnet. Bei Arbeitnehmer A wird die Mehrarbeitsvergütung für Oktober im November abgerechnet. Bei Arbeitnehmer B hingegen ist für die im November ausgezahlte Mehrarbeitsvergütung aus Oktober eine Berichtigung der Entgeltabrechnung für Oktober vorzunehmen.

Auszahlung angesammelter Mehrarbeitsstunden

Werden Mehrarbeitsvergütungen ausgezahlt, die über mehrere Monate hinweg erarbeitet wurden, ist der Gesamtbetrag grundsätzlich auf die jeweiligen Erarbeitungsmonate aufzuteilen. Aus Vereinfachungsgründen kann der Arbeitgeber den Gesamtbetrag wie einmalig gezahltes Arbeitsentgelt verbeitragen. Voraussetzung ist aber, dass die Auszahlung spätestens bis zum 31. März des Folgejahres erfolgt.

Lohnsteuer: Das Finanzgericht Münster hat aktuell entschieden, dass auf eine Überstundenvergütung, die aufgrund eines Aufhebungsvertrages für mehrere zurückliegende Jahre in einer Summe ausbezahlt wird, der ermäßigte Steuersatz anwendbar ist. 

Umlagebeiträge trotz Behandlung als Einmalzahlung

Trotz einer Verbeitragung als Einmalzahlung gelten die Mehrarbeitsvergütungen weiterhin als laufendes Arbeitsentgelt. Daher sind von der Mehrarbeitsvergütung auch bei Anwendung der Vereinfachungsregelung Beiträge zur Umlage U1 und U2 zu entrichten

Sabine-Wittlich1502

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